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MAPS - Die Schatzkarte

"Mache nicht einfache Dinge, sitze da (und erzähle deine Geschichte)"

John O’Brien, Jack Pearpoint & Lynda Kahn 2010

Handreichung - MAPS

von Stefan Doose

Was ist MAPS?

MAPS ist ein Planungsprozess mit einem Unterstützungskreis für Personen, bei denen sich eine Veränderung ankündigt, wie z.B. der Beginn einer neuen Schule, der Schulabschluss bei Kindern und Jugendlichen. Bei Erwachsenen kann dies der Wunsch oder die Notwendigkeit einer Veränderung der Arbeitssituation, eine Trennung, ein Burn-out oder ein anderer Wendepunkt im Leben sein, der eine Neuorientierung erfordert.
Bei MAPS geht es darum, die Geschichte der Person, ihre Träume und Albträume sowie ihre Gaben zu erkunden, um dann zu sehen, was sie benötigt, um ihre Gaben in die Gemeinschaft einbringen zu können. Die planende Person und die Personen, die sich ihr verbunden fühlen, vergewissern sich der Gaben der Person und dessen, was in ihrem Leben wirklich wichtig ist. Erst danach geht es an die konkrete Handlungsplanung.
MAPS wurde von Marscha Forrest und Jack Pearpoint in den 1980er Jahren in den USA entwickelt. MAPS stand zunächst als Abkürzung für "Making Action Plans" » "Aktionspläne machen", wird aber heute von den Autoren nur noch in der Kurzform benutzt. Das englische Wort "map" bedeutet auch Landkarte, die zur Orientierung genutzt werden kann. MAPS umfasst 6 Schritte, die auf einem großen Plakat graphisch festgehalten werden:

MAPS-Prozess
Überblicksplakat MAPS-Prozess nach O’Brien, Pearpoint, Kahn 2010

Was sind die Schritte bei MAPS?

Begrüßung und Vorstellung

Die planende Person oder eine vertraute Person eröffnet das Treffen, indem sie die Teilnehmer*innen des Unterstützungskreises herzlich begrüßt und kurz den Anlass und die Zielsetzung des MAPS-Prozesses erläutert.
Jede Person im Unterstützungskreis stellt sich vor und gibt Antwort auf die Frage "Warum ist es mir wichtig, heute hier zu sein?" Die Person, die moderiert (der*ie Moderator*in) und die Person, die zeichnet, malt und schreibt (der*ie Zeichner*in), stellen sich vor und erläutern ihre Rollen und den Ablauf des Prozesses sowie die Gesprächsregeln.

1 » Die Geschichte

Es werden drei Geschichten aus dem Leben der planenden Person, um die es geht, erzählt, die etwas mit den aktuellen Veränderungen zu tun haben. Zwei Geschichten sollen aus der Vergangenheit kommen, eine aus der Gegenwart. In der Regel erzählt die planende Person die Geschichte selbst, bei kleinen Kindern erzählen die Eltern oder Vertraute die Geschichte. Die anderen Personen im Unterstützungskreis hören intensiv zu. Der*ie Zeichner*in macht sich derweil Notizen und erste Skizzen. Nachdem die Geschichten erzählt worden ist, fasst sie anhand dessen die Geschichte zusammen und fragt die planende Person, wie das Bild auf dem Plakat gezeichnet werden soll und zeichnet es nach den Vorgaben.

"Ein guter Freund ist, wer deine Vergangenheit kennt, an deine Zukunft glaubt und dich akzeptiert, so wie du bist!"

2 » Der Traum

Die planende Person wird aufgefordert zu schildern, wie ihr Traum aussieht:
"Was ist mein Traum? Was möchte ich wirklich im Leben?"
Der*ie Zeichner*in entwickelt mit der planenden Person ein passendes Bild für ihren Traum. Dabei fragt sie ggf. nach, wie der Traum genau aussieht oder was das Wichtigste daran ist. Bei kleineren Kindern kann neben dem Traum des Kindes (wenn er zu erkunden ist) auch der Traum der Eltern für das Kind im Vordergrund stehen, da die Eltern die eigentlich planenden Personen sind. Sie sind wie eine Fee oder ein Zauberer, die gute Wünsche für das Kind haben.
Am Ende fragt der*ie Moderator*in die Planenden, welche Gaben, Stärken, Fähigkeiten der Person in dem Traum deutlich werden. Die anderen Personen im Unterstützungskreis hören weiterhin aufmerksam zu.

"Unsere Wünsche sind die Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden."

Johann Wolfgang Goethe

3 » Der Albtraum

Der Albtraum steht für die schlimmste Möglichkeit, die für die planende Person eintreten könnte. Sie drückt das aus, was zutiefst unerwünscht ist. Die Zukunft, die Abscheu und Ängste hervorruft. Wir identifizieren den Albtraum, um zu erkennen, was für die planende Person auf dem Spiel steht und um den Mut der planenden Person und der Vertrauten zu würdigen, den sie brauchen, sich den Ängsten zu stellen. Der Albtraum soll genannt, aber nicht vertieft werden. Der*ie Zeichner*in sucht mit der planenden Person ein einfaches Bild mit wenigen Worten für den Albtraum. Dann darf der Albtraum von der planenden Person mit einem Stift eingegrenzt werden. Der*ie Moderator*in fragt die planende Person, welche Gaben und Stärken auch im Albtraum deutlich werden.
Nun bedankt sich der*ie Moderator*in bei den Teilnehmer*innen des Unterstützungskreises für das lange, aufmerksame Zuhören und gibt ihnen Gelegenheit für kurze wertschätzende Rückmeldungen für die planende Person.

4 » Die Gaben

Gaben sind Stärken und Fähigkeiten, die uns gegeben sind, damit wir sie anderen geben können. Gaben sind unterschiedlich von Person zu Person. Gaben zu haben, bedeutet nicht unbedingt, der Beste darin auf der ganzen Welt zu sein. Manche Gaben machen einen Unterschied für einen kleinen Kreis von Leuten: die Familie, die Kindergartengruppe. Manche Gaben erreichen viele Menschen z.B. im Stadtteil oder im ganzen Land.
Gaben verkümmern, wenn sie nicht gesehen, vernachlässigt oder nicht empfangen werden. Gaben verlangen manchmal Mut, sie einzusetzen, und Disziplin, sie weiterzuentwickeln.
Der Unterstützungskreis ist nun an der Reihe, über die Gaben der planenden Person nachzudenken:

"Wenn die planende Person in Bestform ist, was bringt sie zu etwas anderem, was sonst nicht da wäre? Was trägt sie bei?"
"Wie macht diese Person einen positiven Unterschied?"
"Was lässt die Augen der Person leuchten? Was tut sie, wenn sie am lebendigsten ist?"
"Wenn Sie an die ganze Person denken, welches Wort oder welchen Ausdruck würden Sie wählen, um die charakteristischen Gaben der Person zu beschreiben?"

Der*ie Moderator*in bittet nun die Personen im Unterstützungskreis, die Wörter bzw. Ausdrücke zu sagen. Der*ie Zeichner*in notiert diese auf einem Blatt neben dem Plakat. Die Teilnehmer*innen können ihre Worte auch auf kleine Post-it schreiben, die dann auf einem kleinen Körperumriss neben dem Plakat gesammelt werden.
Nach dieser Runde wird die planende Person bzw. bei kleinen Kindern ihre Eltern gefragt, wie es für sie ist, diese Worte zu hören und ob sie noch etwas zu ergänzen haben.
Dann werden mit Hilfe des Unterstützungskreises die Schlüsselbegriffe aus der Sammlung herausgesucht und in den Pfeil um den Kreis eingetragen. Zum Schluss erstellt der*ie Zeichner*in mit der planenden Person noch ein passendes Bild, das ihre Gaben symbolisiert.

5 » Was braucht es?

Jetzt geht es darum herauszufinden, welche Bedingungen notwendig sind, damit die planende Person ihre Gaben bestmöglich einbringen kann, wie z.B. im Kindergarten oder einer neuen Schulklasse. Der*ie Moderator*in bittet den Unterstützungskreis über folgende Fragen nachzudenken:

"Wo sind die Gaben der planenden Person am willkommensten?"
"Welche Rolle oder Rollen werden es der planenden Person ermöglichen, ihre Gaben einzusetzen?"
"Welche Erwartungen werden die planende Person am besten ermutigen, ihre Gaben zu geben?"
"Braucht die planende Person irgendwelche Unterstützung, um ihre Gaben einbringen zu können, und wenn ja, was ist für die Unterstützer der planenden Person wichtig zu wissen?"

Die planende Person wird danach von dem*r Moderator*in gefragt, was sie tun könnte, um ihre Gaben besser zur Geltung zu bringen:

"Was würde es für dich einfacher machen, deine Gaben einzubringen?"
"Was könntest du lernen oder üben, was dir hilft, deine Gaben anderen geben zu können?"
"Gibt es irgendetwas, was du weniger tun könntest oder aufhören könntest zu tun, um deine Gaben besser einbringen zu können?"
"Was musst du tun, um es Menschen leichter zu machen, dich zu unterstützen, deine Gaben einzusetzen?"

Der*ie Zeichner*in fängt Schlüsselbegriffe ein und malt schnelle Bilder. Sie clustert diese, indem sie ähnliche Begriffe zueinanderschreibt. Bei den besonders wichtig erscheinenden Bedingungen, fragt der*ie Zeichner*in nach Details des Bildes bei der planenden Person nach.

6 » Der Aktionsplan

Der*ie Moderator*in bittet zum Abschluss die Teilnehmer*innen des Unterstützungskreises, sich einen Moment das Bild mit den Gaben der planenden Person anzusehen und die Punkte zu lesen, die es braucht, damit die Person ihre Gaben einsetzen kann und an die notwendigen nächsten Handlungsschritte zu denken:

Menschen, die informiert und einbezogen werden müssen.
Möglichkeiten, nach denen gesucht werden soll.
Veränderungen, die ausgehandelt werden müssen.

Der*ie Zeichner*in notiert die Ideen auf dem Skizzenblock. Der*ie Moderator*in fragt den Unterstützungskreis, welche zwei bis drei Aktionen kritisch für das weitere Vorankommen sind. Sie fragt dann die planende Person, ob um diese Punkte konkrete Schritte geplant werden sollen. Daraufhin wird in das Plakat eingetragen, wer was bis wann macht.

Abschluss

Zum Abschluss kann die planende Person die Teilnehmer*innen des Unterstützungskreises einladen, das MAPS-Plakat zu unterzeichnen.
Der*ie Moderator*in schließt das Treffen damit, dass jeder aus dem Unterstützungskreis einen Moment der Wertschätzung oder des Gefühls über das MAPS-Treffen äußern kann.
Nicht immer gibt es bei MAPS einen Aktionsplan. Manchmal muss das Ergebnis auch erst einmal sacken. Aber normalerweise braucht es ein paar Aktionen, damit die planende Person ihre Gaben außerhalb des Unterstützungskreises deutlich machen und einbringen kann, sehr häufig braucht es sogar weitere Aktionsplanungen. Manchmal macht der MAPS Prozess auch deutlich, dass der Unterstützungskreis Wege finden muss, die Rahmenbedingungen zu gestalten, damit die planende Person ihre Fähigkeiten einsetzen kann. In diesen Situationen macht ein erneutes Planungstreffen mit dem PATH-Prozess Sinn.

Was erfordert MAPS?

MAPS ist ein intensives Planungsverfahren, das eine erfahrene Person, die moderiert, und eine zweite Person, die zeichnet, malt und schreibt (graphic facilitator), erfordert. Die Personen sollten sich vorher ausführlich mit der Methode vertraut gemacht haben. Die Teilnehmer*innen des Unterstützungskreises sollten möglichst offen, wertschätzend und unterstützend sein.
MAPS dauert mindestens zweieinhalb Stunden bis zu einem halben Tag.
Der Raum sollte groß genug für die Gruppe sein und eine mindestens 2,50 m lange freie Wandfläche oder Stellwand für das Plakat und Skizzenblätter rechts und links daneben haben. Die Stühle stehen im Halbkreis um das Plakat.

Weitere Informationen und Materialien

Quellen dieser Handreichung und vertiefende Literatur in Englisch

O’BRIEN, John, PEARPOINT, Jack & KAHN, Lynda (2010): The PATH & MAPS Handbook. Person-Centred Ways to Build Community. Toronto: Inclusion Press.

O’BRIEN, John/ PEARPOINT, Jack (Hrsg.) (2002): Person-centered planning with MAPS and PATH. A workbook for facilitators. Toronto: Inclusion Press.

Diese und weitere Methoden Personenzentrierten Denkens finden Sie in:

DOOSE, Stefan: "I want my dream!" Persönliche Zukunftsplanung. Neue Perspektiven und Methoden einer personenzentrierten Planung mit Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.

GÖBEL, Susanne (2014): „Punkt, Punkt, Komma, Strich - Ein Bild wird es sicherlich!“ Graphische Darstellung als wichtiges Element der Persönlichen Zukunftsplanung. Mainz - Elemente davon auch in:

HINZ, Andreas; KRUSCHEL, Robert: Bürgerzentrierte Planungsprozesse in Unterstützerkreisen. Praxishandbuch Zukunftsfeste. Düsseldorf: verlag selbstbestimmtes leben

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