Mein Weg aus der Werkstatt für beeinträchtigte Menschen
von Manja Schultz, Selbstvertreterin, Peer-Begleiterin und grafische Moderatorin für Persönliche Zukunftsplanung, Mitglied im Koordinations-Kreis des Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung e.V.
Manja Schultz hat dieses umfangreiche und farbenfrohe Bild gezeichnet.
Sie zeichnet ihren Weg vom Jahr 2000 bis ins Jahr 2025 in einzelnen Bildern und kurzen Texten nach.
Die Überschrift im Bild: Mein Weg in ein selbstbestimmtes Leben.
Manja Schultz geht es dabei vor allem um das Thema Arbeit.
Im folgenden Text beschreibt Manja Schultz ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben mit Worten:
Hallo,
mein Name ist Manja, und ich möchte euch berichten, wie ich den Schritt aus der Werkstatt hin zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung mit dem Budget für Arbeit geschafft habe.
Mein Weg war nicht immer einfach – aber er hat sich gelohnt.
Vor dreizehn Jahren begann ich im Service-Kontor im Bürobereich der Werkstatt der Diakonie Nord Nord Ost.
Ich habe schon damals gern am PC gearbeitet, Strukturen geschaffen, organisiert – kurz gesagt: Ich habe Ordnung geliebt.
Aber was dort noch viel wichtiger war: Ich hatte einen Ort der Sicherheit.
Einen Ort, an dem ich mich entwickeln konnte, in meinem eigenen Tempo, und an dem Menschen an mich glaubten, auch wenn ich es selbst nicht immer tat.
Ich bin ehrlich: Es gab in dieser Zeit tiefe Krisen.
Momente, in denen ich dachte, ich schaffe das alles nicht.
Aber mit Unterstützung von Anleitern, Kolleginnen, und auch durch therapeutische Begleitung habe ich gelernt, immer wieder aufzustehen.
Ich habe gelernt, auf mich zu achten, und aus jedem Rückschritt etwas mitzunehmen.
Nach neun Jahren spürte ich: Da bewegt sich etwas in mir.
Ich merkte, ich bin ‚aus meinen Schuhen rausgewachsen‘.
Ich wollte mehr Verantwortung übernehmen, mich weiterentwickeln – und wagte schließlich den Schritt auf einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz im Übergangsmanagement und der Beruflichen Bildung der Diakonie Nord Nord Ost.
Dort arbeitete ich Seite an Seite mit hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen – und ich fühlte mich von Anfang an als Teil des Teams.
Diese Erfahrung war für mich der Beweis: Ich kann das!
Parallel machte ich eine Weiterbildung zur Peerbegleiterin und half, gemeinsam mit Kolleginnen, Kollegen und unseren Vertrauenspersonen, das Projekt Zukunftslotsen mit aufzubauen.
In dieser Rolle durfte ich andere Menschen begleiten, ihnen Mut machen, und sie auf ihrem Weg zur Teilhabe im Arbeitsleben unterstützen.
2023 machte ich zusätzlich eine einjährige Weiterbildung zur grafischen Moderatorin in Persönlicher Zukunftsplanung – und das gab mir noch einmal einen enormen Schub für mein Selbstbewusstsein.
Ich lernte, meine Gedanken und Ideen sichtbar zu machen, Menschen durch Visualisierung zu unterstützen und gleichzeitig selbst noch klarer zu sehen, wo meine eigenen Stärken liegen.
Diese Weiterbildung hat mir Mut gemacht, meine Stimme zu nutzen – und meinen Weg weiterzugehen.
In meinem Arbeitsbereich, dem Übergangsmanagement, konnte ich mein Organisationstalent, meine Kreativität und meine Ideen noch mehr einbringen.
Die Wertschätzung meiner Kolleginnen und Kollegen gab mir Halt und Mut, meinen Weg weiterzugehen.
Ich habe gelernt, meine Grenzen zu respektieren und Rückschritte nicht als Niederlagen, sondern als Zeichen von Stärke zu sehen.
Und dann – am 1. Juli 2025 – war es endlich soweit! Ich konnte meinen Arbeitsvertrag für eine sozialversicherungspflichtige Stelle mit dem Budget für Arbeit unterschreiben.
Dieser Moment war unbeschreiblich – ich war überwältigt und ich weinte vor Glück.
Heute stehe ich hier als Verwaltungskraft und ich bin dankbar – für jeden einzelnen Schritt, für jede Chance, und für jedes Vertrauen, das mir auf diesem Weg geschenkt wurde.
Ich wünsche mir, dass noch viel mehr Betriebe erkennen, welch großes Potenzial Menschen mit Beeinträchtigungen haben.
Dass sie bereit sind, Türen zu öffnen, Zutrauen zu schenken und gemeinsam mit uns zu wachsen.
Denn Inklusion ist kein Extra – sie ist ein Gewinn.
Für uns, für Sie – und für die ganze Gesellschaft.
„Jetzt ist es Zeit, etwas Neues zu beginnen – und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.
Das ist der Original-Text von Manja Schultz.
Es gibt ihn nur in der dieser Fassung.

